Schule in Osterbrücken

Aus Osterbrücken
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Geschichtliche Entwicklung

Nach Eingliederung des linken Rheinufers in das französische Verwaltungssystem wurde auch das Schulwesen neu geordnet. Im Jahr 1798 wurde für die Dorfschulen folgender Fächerkanon festgelegt: „Lesen und Schreiben, die französische und die deutsche Sprache, die gemeinen Regeln der Arithmetik und die Anfangsgründe der Dezimalrechnung sowie auch die Grundregeln einer bürgerlichen und republikanischen Moral“. Im Jahr 1802 wurde im „Gesetz über den öffentlichen Unterricht“ die Verantwortung für das Volksschulwesen –außer der Aufsicht über den Unterricht- nach unten verlagert. Sie lag nun in Händen der Gemeinden, die sogenannte „Primärschulen“ errichten sollten. Die Lehrer waren durch die Munizipalräte zu wählen. Ihre Besoldung bestand aus der Zurverfügungstellung der Lehrerwohnung und aus einem durch den Munizipalrat festzusetzenden Gehalt, das durch die Eltern aufgebracht werden musste.

Änderungen ergaben sich wieder nach den Napoleonischen Kriegen. Das Generalgouvernement des Mittelrheins legte 1814 fest, dass die Landschullehrer nach Vorschlag des Ortspfarrers und auf Gutachten des Bürgermeisters ernannt werden sollten. Dem Ortspfarrer wurde die Aufsicht über die Schulen übergeben. Er hatte sie regelmäßig zu visitieren, die Lehrer hatten seinen Anweisungen Folge zu leisten.

Schon drei Jahre danach, im Jahr 1817, erließ die Regierung des Rheinkreises eine neue „Verordnung über die Organisation der Schulen“. Es blieb bei der geistlichen Schulaufsicht. Die Pfarrer fungierten als Lokalschulinspektoren und Religionslehrer, die Dekane als Bezirksschulinspektoren, später Distriktschulinspektoren. Als wichtige Neuerung wurde für jede Schule eine Ortsschulkommission gebildet. Sie bestand aus dem Bürgermeister, einem Mitglied aus jedem Gemeinderat und den Pfarrern der verschiedenen christlichen Konfessionen. Das Gremium hatte sich regelmäßig in der ersten Woche eine Monats zu treffen und zum Beispiel über die Unterrichtszeiten, die genauen Ferientermine und die Schulstrafen bei unentschuldigten Unterrichtsversäumnissen zu befinden. In letzterem Fall konnten Geldstrafen verhängt werden.

Die Schulordnung sah auch vor, dass nicht mehr als 80 Kinder zusammen unterrichtet werden sollten. Bei Überschreitung dieser Zahl sollten verschiedene Abteilungen gebildet werden. Bau und Instandhaltung der Schulgebäude sowie die Beschaffung von Lehrmitteln oblag den Gemeinden. Zu unterrichten waren werktags täglich drei Stunden am Vormittag, an vier Werktagen auch drei Stunden nachmittags. Als „vorzüglichster Gegenstand des Unterrichts“ galt die Religions- und Sittenlehre, ferner standen Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang, deutsche Sprache und Rechtschreibung, Naturkunde, Heimatkunde, Erdkunde und Geschichte auf dem Programm, später auch noch das Turnen. Die Schulpflicht umfasste bei Jungen das 6. Bis 13., bei Mädchen das 6. Bis 12. Lebensjahr. Die „Werktagsschule“ schloss mit einer Abschlussprüfung.

Danach wurden die Schüler der Sonntagsschule übergeben, die noch drei Jahre lang zu besuchen war und die ebenfalls mit einer Prüfung abschloss. Die Schulpflicht endete also etwa mit dem 16. Lebensjahr. In der Sonntagsschule wurden die Jungen durch den Lehrer zum Beispiel in Feld- und Gartenbau oder Obstbaumzucht unterrichtet. Mädchen erhielten „Industrieunterricht“, wo sie Stricken, Nähen und Spinnen lernten. Hierzu nahmen die Gemeinden eigene Handarbeitslehrerinnen, meist sachkundige Frauen aus der Gegend, unter Vertrag.

Die Schulhäuser

1818 - 1823

Schulhaus bis 1823

Im Jahre 1818 wurde die Osterbrücker Winterschule im gemeindeeigenen Hirtenhaus (Anm: "Auf dem Büchel 1") gehalten, das gleichzeitig dem Hirten Harth als Wohnung diente. Winterschullehrer war der aus Niederkirchen stammende Friedrich Edinger, der bei einem Gemeindsmann logierte. Edinger hatte vor dem ehemaligen Oberkonsistorium Zweibrücken, der Unterrichtsbehörde des Arrondissements in Saarbrücken sowie dem Distriktinspektor in Limbach eine Prüfung abgelegt. Laut Pfarrer Culmann besaß er die erforderlichen Kenntnisse, hatte einen sittlichen Charakter und war fleißig und unbescholten.

1823 - 1893

Schulhaus von 1893 bis 1961, Aufnahme von 1931
Im Jahr 1820 plante die Gemeinde ein eigenes Schulhaus, weswegen sie von den Beiträgen zum Niederkircher Schulgebäude befreit wurde. Ende 1822 beauftragten die Osterbrücker einen Zimmermann aus St. Wendel mit der Anfertigung eines Bauplans. Die Regierung war verwundert. „Die Leute in der dortigen Gegend scheinen überhaupt nicht zu wissen, dass für das Gemeindebauwesen ein eigener Bauinspektor bestellt ist und dass sie Geld, gewöhnlich auch Zeit sparen, wenn sie ihre Bauten durch diese dazu höchst angeordnete Behörde besorgen lassen.“ Schließlich wurde doch der Kreisbauinspektor eingeschaltet. Dieser überreichte 1823 einen Plan und einen Kostenvoranschlag. Der Bau im Dorfzentrum wurde noch 1823 vollendet.

Schon 1830 mussten die Behörden feststellen, dass das Schulhaus „keinem neuen Hause und mehr einem Bauern- als Schulhaus“ glich. „Zudem wird das Haus von dem Lehrer schlecht gehalten, welcher in dem Zimmer Frucht aufschüttet.“ Im Jahr 1835 wurde der Gemeinde zunächst wegen finanzieller Bedenken die Anschaffung einer Schulglocke und die Erbauung eines Glockenturms verweigert. Später wurde dies aber doch genehmigt. Die Lehrerwohnung war gegen Mitte des Jahrhunderts zu klein geworden, so dass Lehrer Dauber sich ein eigenes Haus in Osterbrücken kaufte. Die ihm eigentlich zustehende Wohnung im Schulhaus vermietete er 1858 an den Bergwerks Steiger Jakob Jung aus Selchenbach.

Im Juli 1882 berichtete Bezirksamtmann Heydel, das Osterbrücker Schulhaus entspräche „weder in Bezug auf Lehrerwohnung noch auf Lehrsaal den Anforderungen eines normalen Schulhauses.“ Er schlug einen Neubau vor. Lehrer Trautmann klagte fünf Jahre später: „Mens sana in corpore sano, ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – das ist der Grundzug aller Erziehung. In Osterbrücken aber kann unter der obwaltenden traurigen Verhältnisse diese Sprichwort wirklich wenig Berücksichtigung finden.“ Der beschränkte Lehrsaal habe einen „höchst nachteiligen Einfluss“ auf die körperliche Entwicklung der Schüler. Die Konstruktion der Schulbänke sei mangelhaft und rufe Haltungsschäden hervor. Das Dach sei undicht. Da der Bau feucht und sogar Einsturzgefahr drohte, kündigte das Bezirksamt die Schließung an. Bezirksschaffner Frey äußerte sich 1886 ironisch, man solle am besten das Schulhaus sich selbst überlassen, bis es zusammenfalle.

1893 - 1961

Jakob Drumm, etwa um 1900

Er dauerte noch drei Jahre, bis der Gemeinderat 1889 endlich seinen guten Willen bekundete, nachdem er der vielen aufwändigen Reparaturen überdrüssig geworden war. „Das Schulhaus soll ganz abgerissen und ein neues aufgebaut werden“, beschloss er. Doch es bedurfte noch langwieriger Verhandlungen und mehrfacher Besprechungen unter Leitung von Bezirksamtmann Heydel, bis das Projekt endlich anlaufen konnte. Bezirksschaffner Mergler fertigte 1890 einen Plan mit Kostenvoranschlag. Noch im gleichen Jahr wurden die Arbeiten vergeben. Die Fundamente waren im August 1891 fertig, der Rohbau verzögerte sich aber wegen allerlei Ausreden der Handwerker bis Mitte 1892. Im August 1892 konnten die Schulbänke bestellt werden. Im Juli 1893 waren die Arbeiten fast alle fertig, und Lehrer Trautmann wurde angewiesen, „ohne allen Verzug“ ins neue Schulhaus umzuziehen. Das neue Gebäude (Anmerkung: Brückenstraße 3), das angrenzend an das alte errichtet wurde, kostete 17.000 Mark.

Der Osterbrücker Gemeinderat ließ die alte Schule zunächst stehen. Doch schon 1894 sah Bezirksamtmann Heydel voraus, dass sie wegen zunehmender Baufälligkeit bald ganz beseitigt werden müsse. Die Ökonomiegebäude könne man seiner Meinung nach erhalten. Im Jahr 1907 wurde dann alles abgerissen und auf dem Platz ein Keller und eine Kohlenscheuer für den Lehrer errichtet.

Ein Osterbrücker, der Metzger Jakob Drumm, der sich nach seiner Auswanderung nach New York im Jahr 1885 zu einem wohlhabenden Geschäftsmann empor arbeitete, stiftete seiner Heimatgemeinde eine Schulglocke. Drumm wurde deshalb vom Gemeinderat zum Ehrenbürger ernannt.

1961 - 1968

Das heutige Dorfgemeinschaftshaus
Da das vorhandene Schulhaus von 1891 den Erfordernissen nicht mehr gerecht wurde, hat man im Jahre 1959 den Grundstein für ein neues zweiklassiges Schulgebäude gelegt, welches bereits im Jahre 1961 in Dienst genommen werden konnte.

Da das noch relativ neue Schulgebäude aufgrund von Veränderungen in der Schullandschaft nicht mehr benötigt wurde, diente es dem "Saar-Technikum", das in Niederkirchen beheimatet war, Ende der 1960er bis bis Mitte der 1970er Jahre als "Zweigstelle" bzw. "Aussenstelle". Unbestätigten Quellen zufolge hat in dieser Zeit auch ein gewisser Herr O. Lafontaine als Dozent dort unterrichtet. Im Jahre 1978 baute man es schließlich zu einem Dorfgemeinschaftshaus um.

Quelle: Chronik des mittleren Ostertals, Bd.2, Bd.3